Dienstag, 21. Juni 2016

[Aus dem Nähkästchen] CookieNatsu

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich mal wieder ein Cosplayer-Interview für euch. Ihr erinnert euch vielleicht noch an JunAkera? CookieNatsu ist nicht nur ihre Cosplaypartnerin, die beiden geben auch in jeder anderen Lebenslage ein tolles Paar ab. Dass sie ein eingespieltes Team sind, merkt man auch den Bildern und vor allen Dingen den Antworten an. Da gibt es doch so einige Übereinstimmungen ;) Für mich gehören die zwei zusammen zu meinen Lieblingscosplay-Paaren. Viel Spaß mit Natsus Antworten:


1. Wie bist du damals zum Cosplay gekommen?
Das war zu der Zeit, als ich Kingdom Hearts 2 durchhatte und dem Flash vollkommen verfallen war. Zusammen mit meiner damaligen Nachbarin hab ich alle möglichen Youtube-Videos zu KH2 (Anm.: Kingdom Hearst 2) durchgeschaut und gesuchtet. Irgendwann stieß ich dann auf das Video "Cooking with Zexion" und war... verwirrt... Wieso die Leute in dem Video so aussahen wie die Charas aus dem Spiel. Schnell hab ich so von Cosplay erfahren und nach nur wenigen Tagen stand fest: Das gefällt mir.
Nachdem ich auf meiner ersten Convention – der Gamescon 2007 – dann auch mal live Cosplayer gesehen habe, war der Weg zu Ebay nicht mehr weit weg. Dort dann erstmal eine Orga Kutte bestellt, eine Zexion Perücke und.. so kam ich zu meinem ersten Cosplay.



Fotografin: JessieSilver


2. Was ist dein schönstes Cosplay-Erlebnis?
Da gäbe es so einiges... Geniale Shootings, oder neue Freunde kennen lernen, mit den Freunden Zeit verbringen oder von Freunden in zum eigenen Cosplay passenden Cosplays überrascht zu werden... Da könnt ich lang drüber reden. Eins meiner schönsten Erlebnisse war jedoch definitiv die DCM. Sowohl die Teilnahme mit Jun, als auch die Teilnahme im Einzel. Beide Male die Nervosität, die mit einem Schlag auf der Bühne weg ist; das Gefühl, voll in der Rolle aufzugehen, die man spielt, und dabei ganz zu vergessen, dass einem so viele Leute dabei zusehen.
(Die Reaktion der Leute auf die Auftritte war auch immer mein liebster Part davon...!)
Getoppt wurde das Glücksgefühl beide Male ins Finale zu kommen jedoch davon, die Jun dabei zu haben. Die unendliche Freude und das absolute "wtf-wir-haben-es-geschafft-nach-all-dem-Stress-und-es-war-geil" Gefühl zu zweit zu teilen – das macht mein schönstes Cosplay-Erlebnis aus.

3. Die Cosplayszene entwickelt sich stetig weiter. Wie siehst du das aktuell, ist der Trend positiv oder negativ zu sehen?
Wenn man die Entwicklung der Cosplayszene so betrachtet, dass Cosplay immer bekannter wird, kann man das natürlich sowohl negativ als auch positiv sehen.
Negativ könnte die "wachsende Missgunst" darauf sein. Nehmen wir das Beispiel "# Mangamissgeburten"; daraus wurde ein Riesenshitstorm mit teils wirklich rechtskräftigen und verletzenden Kommentaren, von eben solchen, die das alles durch den wachsenden Bekanntheitsgrad immer öfters sehen und hören und mitbekommen.
Positiv ist jedoch, dass manche Leute es auf der Straße immer besser erkennen und nicht gleich als komplett verrückt abstempeln. Cosplayer kriegen mehr Möglichkeiten, sich zu präsentieren und können auf manchen Cons auch Stände mit ihren eigenen Sachen aufbauen oder ihr Meisterwerk anders präsentieren. Es wird mit der Zeit immer mehr zu einem normalen Hobby und weniger zu etwas total seltsamen, was bei anderen nur auf lachhafte Reaktionen, Spott oder Unverständnis stößt. Und durch diesen Trend entstehen auch immer neue Materialien, die man dann zum Werkeln selbst verwenden kann.

Fotografin: JessieSilver

4. Hast du Cosplayer, die dich immer wieder begeistern?
Die hab ich definitiv! Die meisten davon durfte ich auch persönlich kennen lernen und einige davon zählen zu meinem engen Freundeskreis, worüber ich wirklich froh bin! So wirke ich wenigstens nicht wie ein kleiner Stalker, wenn ich die Leute – also meine Freunde – betatsche und anhimmel und ewig anstarr. Dabei begeistert mich jeder auf seine ganz eigene Art; jeder hat eine andere unglaubliche Stärke und zeigt seine Liebe zum Detail oder Charakter oder Hobby auf andere Art und Weise.

5. Nach welchen Kriterien wählst du deine Kostüme aus?
Größtes Kriterium natürlich: Ein neuer Flash. Wenn ich mich in einen Chara verguckt hab, ist das mein größtes Kriterium ihn zu cosplayn; also würde ich sagen: die Liebe zum Charakter.
Ich versuch mich auch gern an neuen Erscheinungsbildern, denn solange es keine kleinen Kinder sind, kann man ja doch einfach mal alles auch durchprobieren. Wenn mein neuer Lieblingschara also nicht dem "alten Muster" entspricht, hält mich das erstrecht nicht davon ab, ihn zu cosn.
Ein weiteres Kriterium für mich sind dann allerdings noch meine Freunde. Wenn sie mich drum bitten und davon überzeugen, dass mir ein Chara stehen könnte und sie es gern mit mir cosn würden, lass ich mich da ganz gern auch drauf ein.

Fotografin: JessieSilver


6. Sind da vielleicht Charaktere, die du immer wieder umsetzen möchtest?
Oooooooh ja!!! Das kann ich direkt und ohne mit der Wimper zu zucken so sagen! Flashbedingt kann ich da natürlich direkt ein Beispiel geben – Magnus Bane ;) Von ihm abgesehen gibt es aber noch andere Charaktere, die mein Herz erobert haben und nur auf eine neue Umsetzung warten. Z.B. Nana Osaki und Reira Serizawa, oder diverse Tales of Helden wie Stan Aileron. Da gibt es so einige Charas, die ich wirklich gern wieder/neu umsetzen möchte.

7. Was sind deine Grenzen in der Umsetzung? Wann sagst du: Das will ich definitiv nicht umsetzen?
Grenzen sind ja dazu da, um überwunden zu werden. Viele Grenzen, die ich vorher gesetzt hatte, habe ich inzwischen auch überwunden. Aber trotzdem gibt es Grenzen. Ich würde mich nicht an kleine süße Kinder ranwagen. Dafür hab ich einfach wirklich ein zu erwachsenes Gesicht.

8. Gibt es noch Techniken und Materialien, die du unbedingt noch ausprobieren möchtest?
Ich kenne mich zu wenig in Sachen Techniken aus, um zu wissen, dass ich da noch etwas ausprobieren möchte. Meist wende ich neue Techniken an, sobald ich sie als "Problemlösung" gezeigt bekomme.
An Materialien würde ich gerne mal mit dem schwarzen und dem durchsichtigen Worbla arbeiten. Und mit Plexiglas möchte ich auch gern mal arbeiten.


Fotografin: JessieSilver


9. Was ist dein Lieblingspart am Cosplay? Nähen, Basteln, Perücken, das Play an sich oder noch etwas anderes?
Die Perücken bzw. das Stylen von Perücken. Ich bin ja eh so ein Fan von Haaren, und Perücken bieten da natürlich sehr viel Freiheit, das auszuleben. Schneiden, Stylen, mit Glitzer bestreuen... Ich lieb das einfach so sehr!
Direkt daneben ist mein liebster Part das Play. Ich halt das zwar zB keinen ganzen Tag durch, aber grad für manche Insider, fürs Rumalbern mit Freunden oder für die Fotos liebe ich es, in eine andere Rolle zu schlüpfen und mal nicht "ich" zu sein.
Dazu zählt für mich dann natürlich auch das Tagträumen, was für Fotos man machen könnte, und spontane Einfälle für Locations/Bilder/etc.

10. Drei Dinge, die du am Cosplay liebst, und drei Dinge, die du hasst.
Was ich liebe:
- Dass es mich und meine Verlobte verbindet und wir so unsere Flashs und Fantasien zusammen ausleben können. ;3
- Ich kann nicht nur coole Fotos mit meinen Freunden machen, sondern auch viel Zeit mit ihnen verbringen und mit ihnen Flashs ausleben.
- Perücken, Perückenstyling und das in-chara sein!!
Was ich hasse:
- Es ist so ein verdammt teures Hobby TT__TT!
- Manchmal nimmt die Herstellung viel zu viel Freizeit in Anspruch...
- Dass das Genähte NIE so aussieht, wie die gezeichnete Vorlage. Ist logisch, aber ich hasse es, wenn mein Stoff nicht so fällt, wie er fallen sollte. Oder das ganze einfach.. anders aussieht als zuvor eingeplant.

Fotografin: JessieSilver


11. Was für Erfahrungen hast du mit Wettbewerben gemacht?
Ich hab 2 Mal an DCM Vorentscheiden teilgenommen und bin jedes Mal ins Finale gekommen. Ich hatte Spaß (neben dem Stress xD') an der Fertigung der Cosplays und vor allem am Ausarbeiten des Auftritts und der Audio. Ich hab trotz Nervosität neue tolle Leute kennen lernen können und hab echt viel dazu gelernt. Das sind meine tollen Erfahrungen.
Meine schlechten Erfahrungen mit Wettbewerben sind, dass ich beide Male nicht ins Finale konnte (ein Jahr wegen der Sehnenscheidenentzündung, das nächste Jahr, weil unser Vermieter uns sehr spontan aus der Wohnung geworfen hat und wir noch spontaner umziehen mussten), obwohl ich die Cosplays fertig hatte/bekommen hätte. Oder dann der ECG, an dem 3 Tage zuvor die Waffe von Jun kaputt gegangen ist, die wirklich relevant für Cosplay/Auftritt war.
Meiner Meinung nach soll es bei mir mit Wettbewerben einfach nicht sein, obwohl ich wirklich gern dran teilgenommen hab.

12. Nähst du lieber selber oder kaufst du auch mal ein Kostüm?
Ich nähe gern. Inzwischen sogar seeeehr gern. Aber ich kauf auch gern. Wenn ich eine Hose oder ein Oberteil finde, das nunmal einwandfrei passt, dann kauf ich das gern mal. Immerhin hab ich dann auch mehr Zeit (die ich langsame Schnecke brauche...), um mich mit dem Rest des Cosplays zu befassen.
Also entscheide ich mich hier für eine gesunde Mischung aus beidem.


Fotograf: vw

13. Wann ist ein Cosplay für dich perfekt?
Bei mir selber, wenn ich mich darin wohl fühle und mich nicht fehl am Platz damit fühl.
Im allgemeinen, wenn das Cosplay in Zusammenspiel mit dem Cosplayer "echt" ist. Damit meine ich, dass es aussieht, als wäre der Charakter vom Papier/dem Fernseher/etc. ins echte Leben gezogen worden. Die richtige Stoffwahl, die tausenden Accessoires und Details, das richtige Perückenstyling machen ein Cosplay definitiv schön; aber perfekt ist es in meinen Augen eben erst, wenn ich den Charakter vor mir sehe statt dem Cosplay.

14. Was würdest du einem Anfänger für die Zukunft mitgeben?
Traut euch was! Ihr könnt viel viel VIEL mehr, als ihr am Anfang von euch selbst erwartet! Setzt euch immer kleine Ziele, die ihr Stück für Stück überwinden könnt.
Und vergesst nicht, dass es ein Hobby ist; eine Kunst, eine Möglichkeit, eure Kreativität auszuleben. Verliert also nicht den Spaß an der Sache; nicht durch zu hohe Selbsterwartungen, nicht durch den furchtbaren Perfektionismus. Mit viel Spaß an der Sache arbeitet es sich nämlich viel viel besser und man kann das Hobby richtig genießen.

Fotograf: Hiji

Ich möchte mich noch einmal bedanken und vor allen Dingen euch zweien eine wundervolle und traumhafte Hochzeit wünschen!

Mittwoch, 1. Juni 2016

[Rezension] Wohnen unter 1000 Euro - Julia Ballmaier







Titel: Wohnen unter 1000 Euro
Autor: Julia Ballmaier
Verlag: Callwey
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-7667-2210-2
Preis: 24,95€
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Die Diplom-Pädagogin und Bloggerin Julia Ballmaier lebt mit Ihrem Mann und Ihren drei Söhnen in Fulda. Sie arbeitet als Einrichtungsberaterin und bloggt täglich auf www.myhomeismyhorst.de. Ihre eigene Wohnung war bereits in mehreren Einrichtungsmagazinen, in Büchern und im Fernsehen zu sehen.









Jede Wohnung ist so unterschiedlich, wie die Menschen, die darin wohnen. UND: Nicht jeder kann sich teure Designermöbel leisten. Die Einrichtungsberaterin und Wohnbloggerin Julia Ballmaier hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, eines zu beweisen: Individuelles Wohnen macht glücklich und vor allem: Jeder kann es bezahlen! Mit Ikeastücken, Flohmarktfunden und effektvollen, verblüffend einfachen DIY-Ideen hat sie in diesem Callwey Wohnbuch viele völlig unterschiedliche Wohnambiente geschaffen – und das mit einem Mini-Budget von gerade einmal 1.000 Euro pro Wohnung. Lassen Sie sich inspirieren und finden Sie garantiert die richtige Ergänzung für Ihr Zuhause.







Es ist 5:30 Uhr am Sonntagmorgen, der Wecker klingelt.






Hat jemand 1000 Euro und eine Wohnung zum Einrichten für mich? Ich fand ja schon von vornherein, dass das nach einer spannender Herausforderung klang und Julia Ballmaier (www.myhomeismyhorst.de) hat das 25 Mal mit Bravour gelöst. Nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, fühle ich mich total inspiriert und habe Tonnen von Ideen. Und ich kann euch garantieren: Es wird nicht bei diesem einen Mal bleiben, ich habe mich in das Buch und die Bilder verliebt.
Jede der Wohnungen hat ihren eigenen Abschnitt in dem Buch und über ein paar Seiten werden Detailaufnahmen, ein Wohnungsschnitt sowie die Einkaufsliste samt Preisen genannt. Außerdem schreibt die Autorin ein paar Worte zu der Wohnung. Ob sie zum Beispiel unbedingt einen bestimmten Stil umsetzen wollte oder ob ein besonderes Möbelstück sie zu der Einrichtung inspiriert hat. Man spürt förmlich auf jeder Seite ihre Begeisterung für das, was sie macht und das reißt einen mit. Ich möchte jetzt bitte sofort auf einen Flohmarkt. Und dekorieren, gestalten und alles Mögliche mit meiner Wohnung machen. Julia Ballmaier nimmt einen mit ihrer Begeisterung so sehr mit und man ist selbst inspiriert, etwas zu ändern. Besonders toll finde ich, wie sie mit kleinen Kniffen wirklich besondere Sachen gestaltet. Egal, ob das eine vierfarbige Wand oder eine Gardinenstange an der Wand ist, das sind tolle Sachen dabei. Mich hat sie auf alle ebenfalls begeistert und ich denke, das ein oder andere werde ich umsetzen und beherzigen.
Ganz am Ende gibt es auch noch eine Liste mit nützlichen Tipps sowie eine Doppelseite mit Shoppingtipps! Da waren einige Seiten dabei, die ich schon kannte, ich kann euch aber garantieren, auf der ein oder anderen werde ich dennoch stöbern und mir Inspirationen holen.







Das Buch ist bunt, farbenfroh, inspirierend und ein Muss für Wohndesign-Fans!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Montag, 30. Mai 2016

[Rezension] Ich habe ihn getötet - Keigo Higashino







Titel: Ich habe ihn getötet
Autor: Keigo Higashino
Original: Watashi go kare
Aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-608-98306-7
Preis: 14,95€
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Keigo Higashino, wurde 1958 in Osaka, Japan, geboren. Nach seinem Ingenieurs-Studium begann der Kapitän einer Bogenschützenmannschaft Kriminalromane zu schreiben. Viele seiner Kriminalromane wurden für Kino und Fernsehen adaptiert und mit Preisen ausgezeichnet. Sein größter Erfolg war »Verdächtige Geliebte«, das sich in seiner Heimat mehr als zwei Millionen Mal verkauft hat. Er lebt zurückgezogen in Tokio.









Auf dem Weg zum Traualtar bricht der Drehbuchautor Makoto tot zusammen. Die Verdächtigen sind sein Manager, der Bruder der Braut und seine Lektorin. Jeder von ihnen behauptet: »Ich habe ihn getötet.« Und Kommissar Kaga steht vor einem schier unlösbaren Rätsel: Ein Mord, drei geständige Verdächtige und kein Hinweis auf den Täter.
Der Drehbuchautor Makoto ist ein skrupelloser Karrierist. Am Abend vor seiner Hochzeit mit der gefeierten Lyrikerin Miwako wird eine Tote im Garten seines Anwesens gefunden. Es ist seine Ex-Freundin, die er für Miwako verlassen hat. Aus Trauer über Makotos gebrochenes Heiratsversprechen hat sie sich vergiftet. Mit Hilfe seines Managers lässt Makoto die Leiche verschwinden. Doch am folgenden Tag bricht Makoto selbst vor dem Traualtar tot zusammen. Der Braut kommt ein fürchterlicher Verdacht: Der Täter muss Makotos Medikamente unbemerkt gegen das Gift ausgetauscht haben, das die Tote bei sich trug. Und dazu hatten nur Makotos engste Freunde Gelegenheit. Verzweifelt schaltet sie Kommissar Kaga ein.


Nachdem ich den hellgrünen Regenmantel, der ganz am Rand hing, vom Bügel genommen hatte, war der Schrank leer.





Ha. Ich muss es gleich vorweg loswerden: Es ist gut für die Welt, dass ich keine Ermittlungen lösen muss, denn... ich konnte den Fall nicht lösen. Trotz Hilfe des Professor. Aber für alle nun Verwirrten von Anfang an: Diese Geschichte ist außergewöhnlich, denn Kommissar Kaga tritt nicht als Erzähler auf. Stattdessen sind die drei Verdächtigen diejenigen, aus deren Sicht man die Geschichte erlebt. Immer wieder abwechselnd erzählen sie was passiert, wobei natürlich nie zu lesen ist, wie der Mord eingefädelt wurde. Man erlebt zwar den Tod des Opfers, aber keine Lösung. Ganz am Ende wird der Fall auch nicht wirklich aufgeklärt, sondern Kommissar Kaga erklärt nur, dass er den Täter kennt und dann, bäm, Ende. Zwar findet sich dort auch noch die Hilfe zum Lösen des Falles, doch es gibt einfach Menschen, die sind nicht dazu geschaffen, so Fälle zu lösen. Ich gehöre dazu. Es ist raus, ich habe es gestanden (und ihr musstet gar nicht erst ermitteln!). Peinlich aber wahr, ich habe zwar eine Vermutung, aber glaube nicht, dass diese richtig ist. Also, ihr kennt meine Mail, ich bin dankbar über jeden Hinweis!
Nichtsdestotrotz ist das Buch wieder einmal fesselnd. Der Weg zum Ende ist hier außergewöhnlich, aber ich fand es sehr spannend, die Gedanken dieser drei Verdächtigen zu verfolgen. Jeder hatte Gründe, das Opfer zu verabscheuen und ehrlich, ich habe für alle Verständnis entwickelt.
Ich denke, dass das Japanische und die Mentalität dieser Menschen nicht jedermanns Sache sind. Aber ich habe ein Faible für andere Kulturen, egal ob asiatisch, afrikanisch oder alienisch, daher lese ich so Romane immer wieder gerne. Hier merkt man schon, dass bei uns ganz anders reagiert werden würde, als die Protagonisten es tun.
Von den Charakteren her fand ich es sehr spannend, da tun sich teilweise Abgründe auf. Sehr irritiert war ich durch die mehr als deutlichen Anzeichen von Inzest. Das habe ich in japanischen Manga auch schon als Thema gehabt, aber jedes Mal wenn ich es erneut lese, bin ich mehr als irritiert. Das war der einzige Teil, an dem ich kein Verständnis entwickeln konnte, obwohl selbst das irgendwie logisch dargestellt wurde. Aber wie ihr merkt, hat mich das durchaus beschäftigt.
Es gibt einen Mord, einen Selbstmord, Abtreibungen, Inzest und somit sind einige der tiefsten menschlichen Abgründe in diesem Buch versammelt. Und das vereint Keigo Higashino so gekonnt und leise, dass es gar nicht sensationslüstern wirkt. Auch nicht übertrieben oder too much. Das ist schon eine Leistung. Außerdem sind es Menschen, wie wir alle. Der eine ist verliebt in eine Frau, die einen anderen liebt. Die nächste Person ist verliebt in einen Mann, der eine andere Frau heiratet. Das sind so normale zwischenmenschliche Beziehungen, die hier zu sehr spannenden Dramen führen. Und dann weiß man letztes Endes einfach nicht, wer der Mörder war. Manche können es mit Hilfe des Professors lösen. Manche eben auch nicht. Aber es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.







Es ist ein absolut faszinierendes Buch, das in aller Ruhe die Abgründe der menschlichen Seele seziert. Allerdings werden Leute, die eine klare Lösung am Ende mögen, hier enttäuscht sein, denn selbst rätseln ist angesagt.







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Sonntag, 29. Mai 2016

[Rezension] Scandi Do It Yourself - Astrid Algermissen






Titel: Scandi Do It Yourself
Autor: Astrid Algermissen
Original: Original
Band: Band
Verlag: DVA
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-421-04022-0
Preis: 19,99€
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Astrid Algermissens große Leidenschaft ist das kreative Gestalten. Die gelernte technische Zeichnerin bloggt seit 2012 unter CreativLIVE, wo sie regelmäßig ihre fantasievollen DIY-Ideen präsentiert, die sich großer Beliebtheit erfreuen.







Inspiriert vom skandinavischen Einrichtungsstil zeigt Bloggerin Astrid Algermissen, wie sich Alltagsgegenstände in stylishe Deko-Objekte verwandeln lassen. Alle Ideen sind 100% individuell, leicht und mit Spaß umzusetzen: Dies garantieren bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Skizzen und liebevoll gestaltete Vorlagen. Außerdem werden neue Techniken und Materialien, mit denen sich besondere Effekte erzielen lassen, z.B. Lavendeldruck oder der Umgang mit Freezerpapier, vorgestellt. Die vielfältigen Ausgangsmaterialien – Metall, Glas, Papier, Holz, Stoff/Leder, Kunststoff und Stein – sowie die fantasievolle Inszenierungen der Objekte in ihrem räumlichen Umfeld machen das Buch zu einem einzigartigen praktischen Ideenbuch.


Als ich im Sommer 2012 mit meinem Blog CreativLIVE onlinge gegangen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich selbst mal ein Buch schreiben würde!







Wenn man dieses Buch liest, fühlt man sich zum Einen gleich von dem wunderbaren Design angesprochen und ist zum Anderen inspiriert und angeregt, mal wieder selbst für die Wohnung kreativ zu werden. Scandi Design ist an sich gerade relativ angesagt und ich betrachte die Bilder immer sehr gerne und denke mir jedes Mal: Das ist toll. Oh, das ist auch toll! Und das ist total toll!
Bei diesem Buch hier ging es mir ähnlich, nur dass ich mir da dachte: Boah, das könnte ich machen. Uh, das wäre aber auch was. Oder das da! Das ist also genau das, was wichtig an so einem Kreativ-Buch ist, oder etwa nicht? Man muss sich angesprochen fühlen und Lust darauf kriegen, das ein oder andere nachzumachen. Oder eben selbst aktiv zu werden, vielleicht sogar ein paar Sachen abzuändern, anzupassen und zu verändern. Wenn ich zum Zeitpunkt, als ich das Buch das erste Mal gelesen habe, Zeit gehabt hätte, ich wäre vermutlich sofort aktiv geworden! Ich war echt inspiriert. Jetzt verschiebe ich das auf den Sommer und freue mich schon drauf, kleine Projekte umsetzen zu können, egal ob originalgetreu aus dem Buch oder eher abgewandelt. Spaß wird es allemal bringen!
Das Buch ist allein schon vom Design her sehr ansprechend, ich mag die klare Farbwahl sehr gerne, die sich nicht nur auf dem Cover, sondern eben auch im Buch durchzieht. Selbst in den Projekten finden sich überwiegend die gleichen Farben wieder, ein Style, der mir sehr zusagt.
Vom Aufbau her gibt es ebenfalls eine klare Gliederung nach Materialien: Ob man mit Glas, Beton, Holz, Papier oder anderen Grundstoffen arbeiten will, man muss nur in den entsprechenden Abschnitt vorblättern und da findet sich sicher ein tolles Projekt. Ich persönlich fand Papier und Stoffe natürlich sehr ansprechend, während ich Beton recht respektvoll gegenüber stehe. Die Projekte darin fand ich klasse, aber es wäre nichts, was ich mir zutrauen würde. Man sieht also, dass jeder hier das Passende findet. Bei den Projekten sind auch Anleitungen dabei, die klar bebildert sind und die man gut nachvollziehen kann. Das Material wird aufgeführt, es gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sowohl schriftlich als auch in Bildform und dann eben noch das vollendete Werk. Und es sieht bei Astrid Algermissen einfach auch alles so einfach und leicht aus, dass man sich sofort rantrauen würde. Im Anhang gibt es noch einmal die Vorlagen sowie einen Link zum Download ebendieser. Wer sich z.B. bei grafischen Schriftzügen nicht so viel zutraut, kann sich hier das Original einfach downloaden und direkt loslegen.






Das Buch macht Spaß und Lust auf mehr. Die Autorin bietet tolle Vorlagen, die jedoch auch so offen sind, dass man kreativ schalten und walten kann und seine eigene Ideen daraus entwickeln kann. Das Ganze wird in einem tollen Design dargeboten und ist daher absolut eine Augenweide!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt

Freitag, 27. Mai 2016

[Rezension] Was ich euch nicht erzählte - Celeste Ng






Titel: Was ich euch nicht erzählte
Autor: Celeste Ng
Original: Everything I Never Told You
Aus dem Amerikanischen: Brigitte Jakobeit
Verlag: dtv
Erschienen: Mai 2016
ISBN: 978-3-423-28075-4
Preis: 19,90€
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Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. 'Was ich euch nicht erzählte' ist ihr erster Roman, ein New York Times-Bestseller, der, vielfach prämiert, in 20 Sprachen übersetzt wurde und auch verfilmt wird.








"Lydia ist tot." Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord?
Die Lieblingstochter von James und Marilyn Leewar ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält?


Lydia ist tot.







Dieses Buch ist kein Thriller. Es soll nicht der Mord an einem jungen Mädchen aufgedeckt werden, nicht ein böswilliger Täter überführt werden, nichts soll gesühnt werden. Stattdessen seziert das Buch die Familie, die Hintergründe, den Weg zu diesem Moment im Leben dieser Menschen. Man lernt die Mutter kennen, woher sie kommt und wie sie in dieser Zeit zu einem chinesischen Ehemann kommt. Man lernt die Schwierigkeiten kennen, die die Kinder haben, die doch halb chinesisch sind. Mit diesem Buch kriecht man praktisch in diese Figuren hinein und lernt sie intensiv kennen.
Ich war fasziniert. Nicht nur ist die Geschichte sprachlich wunderbar und definitiv ein unglaublich herausragendes Erstlingswerk, sondern auch die Psychologie dahinter, die Betrachtung der Protagonisten hat mich gefesselt, hat mich einfach das Buch verschlingen lassen.
Es gibt keine Spannung, keine Action, keine Gewaltszenen, sondern nur reine Emotion und reine Einblicke.
Da ist Marilyn, die Mutter, die ihren eigenen Ehrgeiz nicht erfüllen konnte und ihn auf Lydia übertragen hat. James, der Chinese, der sich hocharbeitet und beim Tod seiner Tochter erstmal kurz auf Abwege kommt. Nathan, der große Bruder, der sich in Anschuldigungen verliert und dabei den Überblick verliert. Und die stille Hannah, Beobachterin ihrer Familie, kleine Schwester und ziemlich einsam - die einzige, die halbwegs den Durchblick in ihren Gefühlen behält. Es sind Figuren, die einem schnell nahe gehen und die einen bewegen. Der Undurchsichtigste blieb für mich Nathan. Er scheint sich in Wut zu verlieren und in einem festen Irrglauben, dadurch kommt man an ihn am Wenigsten ran.
Doch lernt man jeden einzelnen kennen. Nicht nur die Gegenwart wird von der Autorin beleuchtet, auch die Vergangenheit bringt dem Leser die Figuren nahe. Das ist das, was das Buch auch besonders macht und vor allen Dingen kann man dadurch die Charaktere und ihre Handlungen besser verstehen und manchmal auch besser nachempfinden, was sie zu irgendetwas antreibt.
Eigentlich ist es nur eine Skizze aus dem Leben einer Familie in einer äußerst tragischen Situation, doch andererseits ist es auch der Weg dahin.
Übrigens lernt man auch Lydia kennen, durch die Augen der anderen und manchmal auch aus ihren eigenen Augen. Das ist wohl das Besondere daran, denn Lydia spielt in dem Buch ja wohl auch die tragendste Rolle, sie ist der Auslöser für das alles.







Dieses Buch hat mich fasziniert. Hat mich bewegt und berührt und gefesselt. Es bietet einen Einblick in eine Familie, die an einem Abgrund steht. Die Autorin bringt das sehr feinfühlig rüber und... lest es!







Quellen
Cover; Autorenvita; Inhalt